Fragen und AntwortenAlles billig, oder was?
wong antwortete vor 16 Jahren

Hallo Leute,

habt Ihr Euch auch schon mal über das eine oder andere Schnäppchen bei landwirtschaflichen Produkten gewundert!
Z.B. Kartoffeln 10 kg für 99 Cent.
Oder 5 kg Möhren für 72 Cent.
Wie geht denn das?
Ich glaube es zu wissen.
Mit Fördergelder!
Seht selbst unter:
http://www.agrar-fischerei-zahlungen.de
Nur die Postleitzahl eingeben und schon kann es losgehen.
Da wird der eine oder andere bestimmt staunen!

Gruß
Thomas



8 Antworten
Frank_Kraemer antwortete vor 16 Jahren

Hallo!

Da bekommen hier im Umkreis einige mehr Förderung wie meine Frau und ich mit 8Std. Arbeit am tag im Jahr verdienen.

Frank

Hahneko antwortete vor 16 Jahren

KUBISTRU,

den Link kenne ich, wurde schon vor Wochen in allen möglichen Tageszeitungen genannt, finde es trotzdem unangebracht, ihn hier zu wiederholen.

Bevor Dir jetzt ein weiteres Duzend Schreiber Beifall klatscht, sei mir eine Betrachtung von der anderen Seite gestattet.

Ich stamme aus einem landwirtschaftlichen Betrieb und weiß schon, warum ich diesen nicht übernommen habe. Du darfst mir glauben, in dieser Branche wird härter und länger gearbeitet wie kaum sonst irgendwo. Den Bauern wäre es weitaus lieber, wenn sie für ihre Produkte faire Preise bekämen und keine Subventionen.

Insgesamt finde ich es eine Schande, wenn diese höchst personenbezogenen Daten mit Namen und Betrag für Jedermann veröffentlicht werden dürfen/müssen! Wo bleibt hier der Datenschutz?

Da wird willkürlich eine Personengruppe öffentlich an den Pranger gestellt, mit dem Grund, der Steuerzahler habe ein Recht darauf zu wissen, was mit den Steuern geschieht. Mit diesem Argument müßten dann aber bitte auch alle Rentner, Harz4-Empfänger, Staatsdiener, Wohn-/Kindergeld/Bafög-Empfänger usw. ebenfalls mit Namen und Betrag genannt werden.

Die Schikanen, die sich die deutschen Bauern gefallen lassen müssen, sind ein Skandal. Glaubst Du wirklich, es ginge ihnen wirtschaftlich gut? Jedes Jahr werden es weniger! Während wir im Energiebereich von der Importabhängigkeit wegkommen wollen, steigt unsere Lebensmittelabhängigkeit vom Ausland von Jahr zu Jahr.

Hahneko

Pflaume antwortete vor 16 Jahren
Hahneko:

Mit diesem Argument müßten dann aber bitte auch alle Rentner, Harz4-Empfänger, Staatsdiener, Wohn-/Kindergeld/Bafög-Empfänger usw. ebenfalls mit Namen und Betrag genannt werden.

Also bei Rentnern gebe ich Dir nicht Recht, die haben schließlich dafür jahrzehntelang einbezahlt.
Bei Rentnern aus der DDR, Übersiedlern, Pensionären, sieht das wieder anders aus.
Bafög-Empfänger, die das wie ich später zurückzahlen mußten, da sehe ich eine Veröffentlichung auch nicht umbedingt ein.

Ob es den Bauern gut geht ist sehr, sehr unterschiedlich.
Sehr pauschaliert kann man sagen, die Großbetriebe verdienen großes Geld, in Kleinbetrieben ist der Stundenlohn so hoch, daß ein 1-Euro-Jobber mit den üblichen HartzIV-Zulagen mehr verdient. Im Spezialbetrieben (Hopfen, Weinbau, Zuckerrüben, Spargel etc.) wird teilweise auch sehr gut verdient, teilweise aber auch nicht.

Zu bedenken ist ferner, daß auf einem Hof oft Mann, Frau, teilweise Kinder und Großeltern dort arbeiten.
Auch ist die Subvention ja nicht wie Arbeitsentgelt zu rechnen.
Ein Landwirt hat schließlich gewaltige Kosten.
Man Denke nur daran, für einen großen Traktor werden schnell mal 130.000 € fällig, das ist dann aber noch lange kein Teil mit allem sogenannten PiPaPo.
Auch ein Mähdrescher kommt schnell mal auf eine Viertelmillion aufwärts.
Von nötigen Umbaumaßnahmen eines Stalles, um sich an die aktuellen Verhältnisse anzupassen, gar nicht zu reden.
Hiezu müssen sich viele Betriebe bis zur Halskrause verschulden.
Die Bank fragt nicht am Ende des Monats, Hr. X, wie geht´s, können Sie die paar Tausender aufgelaufene Zinsen für den Monat zahlen, oder sollen wir nur einen Teilbetrag abbuchen?
Oder hatten Sie unerwartet hohe Kosten für Tierarzt, Dpnger, Herbizide, Fungizide, Ausfälle durch Hagel, Sturm. Oder ist Ihnen gar eine Erntemachine kaputt gegangen, brauchen Sie noch mal eine halbe Million?
Am 30. fehlt das Geld auf dem Konto, und wehe, wenn das nicht ausreichend gedeckt, bzw. mit Kontokorrentkredit abgesichert ist.

Grüße
Pflaume

Hahneko antwortete vor 16 Jahren

Pflaume,

die oben aufgeführten Personengruppen sollten nur Beispiele sein, jeder mag nach eigenem Ermessen welche rausstreichen. Sicherlich lassen sich andererseits noch viele ergänzen. Mir geht es grundsätzlich um die Sache, daß gerade eine bestimmte Gruppe vor aller Öffentlichkeit an den Pranger gestellt wird.
Ja, das hat sich Deutschland nicht selbst ausgedacht, sondern das ist ein EG-Beschluß. Wir sind einer der Hauptzahler in der EG, und gerade deshalb dürfen wir uns doch nicht alles gefallen lassen!

Hahneko

KUBISTRU_eV antwortete vor 16 Jahren

Hallo Hahneko,

ich gebe Dir vollkommen Recht.
Nur ich sehe nicht ganz ein das z.B. ein Landwirtschaftsbetrieb in unserer Nähe der 3 Arbeitskräfte (vielleicht mit Familie) ernährt über 190 000 Euronen an Fördergelder erhält.
Das sind 65 000 pro Nase.
Das schlimme ist das sie dafür noch arbeiten müssen!
Im Gegensatz zu Deiner Erfahrung ist dort jetzt gerade Feierabend.
Klar ist auch das an den Preisen etwas nicht stimmt.
Es müssten eindeutig höhere Preise bezahlt werden.
Ob wir es dann aus der Lohntüte oder an der Ladenkasse bezahlen ist mir letztendlich egal.
Und wenn man bedenkt das der Wahnsinn schon Jahre geht!
Die Leute die aus dem Förderwust ausgestiegen sind und jetzt etwas ganz anderes machen wurden immer nur belächelt.

Gruß
Thomas

Micha antwortete vor 16 Jahren

Hallo Thomas,
kenne jetzt deinen konkreten Fall nicht, weiß aber, nachdem ich dort neulich auch mal rumgeschaut habe, dass es sehr hilfreich sein kann den Vorjahresbetrag auch mal zu betrachten. Der lag nämlch meist ganz deutlich niedriger (warum auch immer).
Möglicherweise waren das irgendwelche Einmalzahlungen, beispielsweise für Baumaßnahmen.

Andererseits finde ich das trotzdem relativ informativ (obwohl ich auch nicht weiß ob ich es gut finden soll).
Gerade wenn man mal einen der kleineren Betriebe aus der Gegend sucht, sieht man dass einige auch nur sehr wenig bekommen.

Michael

KUBISTRU_eV antwortete vor 16 Jahren

Hallo Micha,

was ich meine ist das die ganze Förderei den Bauern nichts hilft.
Seit jahrzehnten hat sich die Situation in der Landwirtschaft nicht geändert.
Das liegt einerseits an viel Lobbyarbeit der Chemieriesen und Saatguthersteller, anderseits an der zumeißt starren Haltung der Landwirte selbst.
Ich selbst musste auch schon ein paar mal umstrukturieren.
Und das ohne Förderung!
Und mit den ganzen Subventionen wird kein einziger Arbeitsplatz erhalten sondern viele vernichtet!

Gruß
Thomas

wong antwortete vor 16 Jahren

Heeeeeeeee,… Hoooo,… Brrrrrrrrrrr,…

Erstmal Hallo zusammen, und zweitens macht mal laaaaaangsam, wie wäre es mit einem Stiefel für den „Stammtisch“?

Damit es etwas weniger hitzig zugeht, … meine Herren, warum schaut ihr auf den klein Bauer, der evtl. genötigt wird, Felder brach liegen zu lassen damit er überlebt?

Evtl. mit einer neuen Luftaufnahme ihm gerade wieder der Geldbeutel gemolken wurde, weil nach dieser Luftaufnahme zu ersehen sei, dass sein Kartoffelfeld einige m² größer sei und dadurch höhere abgaben fällig werden,….

Ja, das K-feld ist um 2,5m² größer, weil die Kartoffelkäfer und die Wildschweine unberechenbarer sind, es soll _nur_ den Schwund etwas auffangen,…aber jetzt,….

Was mich erregt ist eher das Konzerne gemäßtet werden, z.B.

Südzucker AG war größter Zahlungsempfänger

Die Datenbank gibt somit Auskunft über die meisten EU-Zahlungen der Jahre 2007 und 2008 nach Deutschland. Der mit Abstand größte Empfänger war demnach die Südzucker AG Mannheim. Das Unternehmen mit 18.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 5,9 Milliarden Euro erhielt im vergangenen Jahr insgesamt mehr als 34,4 Millionen Euro aus Brüssel.

Quelle:http://www.tagesschau.de/wirtschaft/agrarbsubventionen104.html

…oder…

Die Zahlen belegen: Große Lebensmittelkonzerne profitieren am meisten von den EU-Agrarsubventionen. Zu den Spitzenempfängern zählen beispielsweise Campina mit 1,9 Millionen Euro, Doux Geflügel mit 4,7 Millionen, das Getreideunternehmen August Töpfer mit 7,4 Millionen und Storck mit 3,3 Millionen Euro.
Die Exportsubventionen drücken die Preise auf dem Weltmarkt. Während die Gewinne der bezuschussten Konzerne steigen, werden Kleinbauern weltweit durch das Exportdumping in die Armut gedrängt“

Quelle: http://www.wer-profitiert.de/de/pressemitteilungen/20090616-pm.shtml

…evtl… ist eine direkte Frage am besten, dann klick –>

http://tinyurl.com/yfp4pfj

Mit besten Grüßen
Wong